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Im Dezember 2014 wurden vier Studenten getötet und 17 Personen verletzt, als Sicherheitskräfte Berichten zufolge das Feuer auf eine Gruppe von Menschen eröffneten, die eine Demonstration abhielten. Obwohl Untersuchungen über den Vorfall eröffnet wurden, gibt es, infolge des Klimas der Straflosigkeit in Papua, Sorge darüber, ob diese Untersuchungen unparteiisch, gründlich und ohne unbegründete Verzögerung durchgeführt werden. In vielen vorangegangenen Fällen in Papua wurden Untersuchungen über Menschenrechtsverletzungen durch die Sicherheitskräfte verzögert, fallengelassen oder die Ergebnisse führten zu keinen Konsequenzen. Den Opfern und ihren Familien wird so der Zugang zu Gerechtigkeit und zu Wiedergutmachung versperrt.

Am Morgen des 8 Dezember 2014 nahmen einige Hundert Papuas an einem friedlichen Marsch teil. Sie protestierten auf dem Karel-Gobai-Feld in der Stadt Enarotali in der Provinz Papua. Das Karel-Gobai – Feld liegt neben der Polizeistation des Unterbezirkes Ost – Paniai sowie dem Militärkommando (Koramil) des Bezirkes Paniai. Die Teilnehmer, unter denen sich auch Frauen und Kinder befanden, hatten sich versammelt um gegen Soldaten des Bataillons 753 zu demonstrieren, die Berichten zufolge in der vorangegangenen Nacht eine Gruppe Minderjähriger aus dem Dorf Ipakije verprügelt hatten. Einer der Minderjährigen musste im Krankenhaus behandelt werden.
Die Demonstranten trafen auf Polizei und Militär, welche die Menschen aufforderten, die Demonstration aufzulösen. Zeugen zufolge gaben die Sicherheitskräfte danach Warnschüsse ab und richteten ihre Waffen dann auf die Menge. Die Demonstranten begannen sofort von dem Feld zu fliehen. Nach dem Ende der Schießerei blieben vier Menschen tot zurück. Der 16jährige Apius Gobay wurde in den Magen getroffen, Alpius Youw, 18 Jahre alt, in das Gesäß, Simon Degei, 17, in die linke Rippe und der 17jährige Yulianus Yeimo hatte Schussverletzungen im Magen und Rücken. Alle vier waren Studenten. Mindestens 17 andere Personen wurden durch Kugeln oder Bajonette durch die Sicherheitskräfte verletzt.
Polizei und Militär sollen jeweils eigene interne Untersuchungen in Gang gesetzt haben. Zusätzlich versprach Präsident Joko Widodo, der in der zweiten Hälfte des Dezembers 2014 zu den Weihnachtsfeierlichkeiten die Stadt Jayapura in Papua besuchte, ein Untersuchungsteam.
Eine erste Untersuchung wurde außerdem von der Nationalen Menschenrechtskommission Komnas HAM im Dezember durchgeführt. Im Februar 2015 kündigte die Kommission die Bildung des „Paniai Incident Investigation Team“ (Tim Penyelidikan Persitiwa Paniai) an. Den ersten Ergebnissen der Kommission zufolge hatten die Sicherheitskräfte scharfe Munition und Feuerwaffen benutzt, um die Menge zu zerstreuen. Es fand sich kein Hinweis, dass die Demonstranten eine Bedrohung für das Sicherheitspersonal dargestellt hätte.

Amnesty International begrüßt die Untersuchungen. Es gibt jedoch Sorge, wie lange diese sich hinziehen werden und ob irgendjemand für die Schüsse zur Verantwortung gezogen wird. Die Indonesischen Sicherheitskräfte haben eine lange Geschichte von Menschenrechtsverletzungen in den beiden Provinzen Papua und West Papua, verbunden mit nahezu vollständiger Straflosigkeit. Mitglieder der Sicherheitskräfte in Papua müssen sich häufig nicht zur Rechenschaft ziehen lassen oder erhalten lediglich bagetellisierende, leichte Strafen für Menschenrechtsverletzungen wie Folter, Misshandlungen, unnötige und exzessive Gewalt und unrechtmäßige Tötungen.